Kategorie: reportage

Indienreise, Dritter Wettkampftag

Adie und Xavier beim 2. Taskbriefing

Adie und Xavier beim 2. Taskbriefing

Antoine nach der Eröffnungszeremonie

Antoine nach der Eröffnungszeremonie

Billing am ersten Wettkampftag

Billing am ersten Wettkampftag

Nach den Superflug gestern bin ich sehr zufrieden und kann mir eine Steigerung nicht vorstellen. Ein freier Tag heute wäre auch nicht schlecht. Statt dessen wird ein Speedrun über 112 km gesetzt. Sofort bin ich motiviert: Soweit bin ich noch nie geflogen! Bei der Distanz habe ich nur eine Chance, wenn ich so früh wie möglich losfliege und so lange wie möglich in der Luft bleibe. Zum Glück ist es wieder windstill. Auf der langen Strecke Richtung Dharamsala muss ich einige schneller Schirme passieren lassen. Der Wendepunkt ist eine Herausforderung. Auf dem Hinweg überlege ich intensiv, wie ich ihn schaffen kann. Er liegt tief, und auf meinen Genussflügen habe ich vorher umgedreht, denn die Chance, hier nicht wieder weg zu kommen, sind gross. Ich entscheide mich für eine schnelle Wende und hoffe, dass ich auf der anderen Seite wieder Anschluss finden werde. Es gelingt! Für fast die Hälfte des Feldes ist diese Boje zu schwer. Ich beeile mich, denn die Zeit läuft gegen mich. Ich habe noch mehr als die Hälfte der Strecke vor mir, aber nur noch maximal zweieinhalb Stunden Thermik zu erwarten. Ich komme zügig voran, in meiner Nähe immer drei bis vier Schirme. Nicolay und Xavier sind weit vor uns, wir sind die Verfolger. Die anderen fliegen meist eine leicht andere Linie, aber keiner von uns kann damit einen entscheidenden Vorteil machen. Ein roter Advance Omega ist ständig in meiner Nähe, ich nehme an, einer der beiden Japaner. Ich werde ihn einfach nicht los…

Der letzte Wendepunkt ist wieder die hochgelegene Bahnstation bei Jogindar Nagar. Wie man die Boje erfliegt, wissen wir ja bereits. Wir sind etwa alle zur gleichen Zeit da. Ich entscheide mich, direkt nach der Wende aufs Ziel loszufliegen, denn die mittlerweile schwache Thermik wird mir voraussichtlich keinen schnellen Höhengewinn – wenn überhaupt – bringen. Als erste der Verfolgergruppe gleite ich nah am Gelände Richtung Bir. Ich mogle mich voran, neben mir immer noch der Advance. Noch eine Rippe weiter, ich bin schon tief. Vor mir das tiefe Flussbett, dahinter Reisfelder. Ich setze alles auf eine Karte und tatsächlich kann ich den Fluss noch queren, bevor ich ohne Kurve etwa drei Kilometer vor dem Ziel auf dem Reisfeld lande. Der Advance ist einige Meter weiter. Die Schirme aus der Verfolgergruppe, die nach der Wende noch Thermik gesucht haben, kommen alle kürzer als ich.

Erst am Abend realisiere ich: der Advance-Pilot ist Philippe, der ausser Konkurrenz mitgeflogen ist, und ab der Dharamsala-Boje versucht hat, mir zu helfen! Mathieu ist noch etwas weiter geflogen als ich, Nicolay und Xavier sind als einzige ins Ziel geflogen. Vierter Platz, 108 km, nach fünfeinhalb Flugstunden. Ich kann es gar nicht recht kapieren, und strahle schon wieder wie ein Honigkuchenpferd.

***
Das GPS nimmt Xavier mit nach Jogindar Nagar, ich gehe früh ins Bett.

Indienreise, Goal!

09.10. 15:09 Weiblich anmutende Geländelinien

09.10. 15:09 Weiblich anmutende Geländelinien

Tief unterwegs kurz vor Dharamsala

Tief unterwegs kurz vor Dharamsala

23.10. 14:55 Derselbe Ort, zur selben Uhrzeit zwei Wochen später

23.10. 14:55 Derselbe Ort wie im ersten Bild, zur selben Uhrzeit – zwei Wochen später

Ein vielversprechender Tag. Windstill, gute Sicht, die Inversion ist deutlich tiefer gesunken. Wolkenbildung nur über den hohen Gipfeln. Der Task ist etwas mehr als siebzig Kilometer weit. Bei diesen Bedingungen machbar, denke ich. Zumal die weiteste Boje an der Stelle ist, an der ich bei meinem ersten Ausflug Richtung Dharamsala den Wendepunkt gesetzt habe.

Start ist heute schon um zwölf, Starterlaubnis ab 11:25. Es läuft gut, und ich habe Basishöhe, als es los geht. Eine Gruppe fliegt direkt in einer Querung auf die Startboje zu, ich bevorzuge den längeren Weg über einen Rücken. Wir sind etwa zur gleichen Zeit an der Boje, ich deutlich höher. Zurück zur Startrippe, um Höhe zu machen. Die Schirme, die den direkten Weg gewählt haben, sind nun im Nachteil. Sie kommen tief an, und das kostet Zeit, denn starke Thermik gibt es um diese Zeit erst weiter oben. Ich erwische es gut und bin schon bald an der zweiten Boje. Das ist das Highlight des Tages: zu diesem Zeitpunkt fliegt nur Nicolay, der spätere Sieger vor mir. Die zweite Position kann ich nicht lang halten, denn bei den Talquerungen verliere ich immer ein wenig gegenüber schnelleren Schirmen. Ich fliege eine hohe Linie, denn Priorität eins ist, sicher ins Ziel zu kommen. Nicolay ist längst unaufholbar in Front, Adie hat sich ebenfalls leicht abgesetzt. Ich konkurriere mit Mathieu und Xavier. Wir schenken uns nicht viel. Etwa vierzig Kilometer lang fliegen wir – bei unterschiedlicher Linienwahl in der Höhe gestaffelt – dicht zusammen.

Mathieu ist an einer Stelle zu tief und fliegt ins Flachere. Selbst wenn er wieder Höhe machen kann, so ist er doch nicht mehr gut im Rennen. Von hinten nähert sich Jim unaufhaltsam. Wir überfliegen den Top-Aussenlandeplatz, auf dem ich mehrere Schirme erkennen kann. Mein Pfeifen und Winken wird von unten mit Zurufen und Anfeuerungen beantwortet. Vor dem Final Glide sind wir am Startplatz Billing etwa gleich weit. Ich verzichte auf Risiko, und mache dort solange Höhe, bis Xavier und Jim zur letzten Boje weiter fliegen. Damit habe ich zwar keine Chance mehr, vor den beiden ins Ziel zu kommen, aber ich bin dicht dran und auf der sicheren Seite. Der Gleitflug macht Riesenfreude – Ziel in Sicht, Vollgas, und keine Sorgen, dass ich zu tief bin… Mit vierhundert Meter Höhe fliege ich wenige Sekunden hinter Jim und Xavier über die Ziellinie. Einige Wingover, landen.

***
Ich komme heim, es gibt keinen Strom. Die Akkus sind nicht aufgeladen, das Internet-Cafe geschlossen. Und warum? Weil die Wettkampforganisation dafür gesorgt hat, dass im ganzen Tal für mehrere Stunden am Tag bis abends um sechs Uhr die Elektrizität abgeschaltet wird, „um das Risiko für die Piloten zu verkleinern“. Keiner der Piloten ist für so eine unsinnige Massnahme. Wir hoffen, dass die Verantwortlichen in der Lage sind, den Strom wieder anzustellen.

Nachdem ich am Landeplatz bei den Organisatoren etwas lauter geworden bin, bekomme ich am Abend tatsächlich mein Wechselgeld zurück. Na bitte…

Auf dem Rückweg vom GPS-Download in Jogindar Nagar treffen wir auf eine Nachtbaustelle. Die Zugangsstrasse zur Kolonie wird asphaltiert. Kein Durchkommen für Stunden mit dem Auto. Ich laufe den Rest des Weges, gehe ins Internet-Cafe, und als ich dort eine Stunde später raus komme, hat mich die Baustelle schon überholt und ich schlängle mich zum zweiten Mal an diesem Tag durch die surreale Szenerie über den warmen Asphalt.

Indienreise, Wettkampffieber

Lastenträger in Billing

Lastenträger in Billing

Abwasch im Teehaus

Abwasch im Teehaus

Teehaus mit Werbung vom Paragliding Pre-World Cup

Teehaus mit Werbung vom Paragliding Pre-World Cup

Alles ist heute anders. In dem sonst so stillen Billing ist’s lebhaft geworden. Mehrere hundert Menschen sind anwesend. Zuschauer, Administration, VIPs, Presse, Fernsehen, Bi-Place Piloten aus Manali. Die internationale Spitze ist im Gegensatz zum letzten Jahr sparsamer vertreten. „Indian Open Championships“, könnte man sagen.
Es ist Herbst: der Tag ist schwach und freundlich. Ein 63,2 km Lauf wird gesetzt, race to goal. Starterlaubnis ab 12:20 h, Luftstart um 13:00 h. Ein gerader Tag, damit Drehrichtung rechts. Eigentlich nicht meine Lieblingsseite, darum habe ich gestern geübt, und heute geht’s prima. Den Rest des Tages drehe ich lieber rechts…

Drei kommen ins Ziel, ich lande 5 km vorher. Eine verlässliche Teilnehmerliste habe ich bislang noch nicht gesehen, ich bin darum doppelt gespannt auf die Ergebnisliste vom heutigen Lauf, die wir voraussichtlich morgen früh sehen werden. Karten gibt es anscheinend nicht von dieser Gegend, denn auch beim Briefing wird keine Karte gezeigt. Schade, ich bin doch auch wegen T-Shirt und Kartenmaterial an den Start gegangen… Dafür schuldet mir der Veranstalter noch 10 US Dollar Wechselgeld. Indien, seufz.

Heute hat mir ein Pilot beschrieben, wie der Berg aussieht, an dem er umkehrte. Es sei eine Flagge drauf. Das schränkt die Anzahl der möglichen Berge um nicht einen einzigen ein…

Aufstehen um 7:30, Aufbruch zum Startplatz 9:00, erstes Briefing 11:00, Fliegen, Landen um 16:45, mit dem Rückholer nach Jogindar Nagar zum Trackdownload, mit den Piloten aus Bir zurück in die Tibetan Colony, um 20:00 Abendessen (Gemüsesuppe und Pasta, fein), danach Tagebuchschreiben, GPS-Downloaden, Akkus laden, Duschen… Ich bin müde.

Indienreise, Training für den Pre-Weltcup

Hirten, Schafe und Ziegen in Billing

Hirten, Schafe und Ziegen in Billing

Hausfrau im alten Bir

Hausfrau im alten Bir

 Tibeter Siedlung in Bir; links oben eines der vier Klöster, rechts unten die Kreuzung mit Schule, Emaho-Cafe, Taxistand und Baustelle


Tibeter Siedlung in Bir; links oben eines der vier Klöster, rechts unten die Kreuzung mit Schule, Emaho-Cafe, Taxistand und Baustelle

Xavier Murillo von der Paragliding Wold Cup Association PWCA ist heute vor Ort in Billing. Er erklärt einige Regeln, er erklärt den indischen Piloten, die ein GPS von ihren Behörden gestellt bekommen, wie das GPS funktioniert. Xavier berichtet, dass er noch keinen Kontakt mit dem indischen Teil der Organisation hatte, obwohl er schon seit fünf Tagen hier ist.

Ein Übungstask nach Palampur und zurück wird gesetzt. Ich habe mein GPS gestern abend Debu gegeben, und der ist heute nicht da. So fliege ich eine Weile mit Richtung Palampur. Als ich sehe, wie tief die Piloten vor mir sind, beschliesse ich, umzukehren, und mir den Stress eines Rückweges mit dem Bus zu ersparen. Nach zweieinhalb Stunden eines gemütlichen Fluges bin ich am Liebelingslandeplatz. Sunset Point, der andere Landeplatz, der sowieso schon viel kleiner und schwieriger anzufliegen ist, ist jetzt noch mit der Hütte der Wettkampforganisation und Sonnenschirmen(!) gepflastert und damit auf die Hälfte geschrumpft. Freiwillig würde ich da nicht landen…

Von fünf bis sieben ist GPS-Wegpunkte-Laden im Hotel Uhl in Jogindar Nagar. Als wir ankommen, sind viele der Teilnehmer noch nicht zurückgekehrt. Der Download dauert dann auch bis halb acht. Anschliessend gibt es ein „Briefing“ mit der indischen Organisation. Die Tourismusministerin ist anwesend und betont die Zweiteilung der Organisation. Einige ausländische Piloten, darunter ich, haben sich noch nicht eingeschrieben. Wir halten die Startgebühren für überzogen angesichts der Tatsache, dass wir weder Transport noch Unterkunft von der Organisation beziehen, und die Inder zahlen nur einen Bruchteil. Nach längerem Verhandeln, werden wir für die Hälfte der Gebühr eingeschrieben. Wir erhalten ein hübsches Schild in Hindi, das man sich um den Hals hängen kann, auf dem steht, wie man heisst, dass man am Pre-PWC teilnimmt, und wer benachrichtigt werden soll. Für den Fall, dass man irgendwo landet, wo keiner Englisch kann…

Indienreise, Diwali

Diwali-Feuerwerk

Diwali-Feuerwerk

Der ehrliche Finder Ashish ist links im Bild, in der Mitte die Braut der bevorstehenden Hochzeit

Der ehrliche Finder Ashish ist links im Bild, in der Mitte die Braut der bevorstehenden Hochzeit

 Diwali-Zuckerwerk


Diwali-Zuckerwerk

Gestern war Diwali, ein Feiertag zu Ehren der Göttin Lakhshmi. Ein Tag für Feuerwerke, kein Tag zum Fliegen. Feuchte warme Luft überall, Kondensation ab acht Uhr am Morgen, später geschlossenen Wolkendecke und Fernsicht unter fünf Kilometern. Am Morgen diskutieren Eric und ich, ob wir versuchen sollen, den Startplatz in Dharamsala zu erreichen, was mit etwa vier Stunden Fussmarsch bergauf verbunden ist. Doch die Basis ist sehr tief, und wir verwerfen den Gedanken. Statt dessen nehmen wir zunächst den Bus Richtung Palampur.
Unterwegs im vollgestopften Bus hole ich mein GPS aus dem Gleitschirmsack und lasse mein Zeug unachtsam lose liegen. Beim nächsten Halt das übliche Gedränge beim Aussteigen. Zehn Minuten später realisiere ich, dass die Stofftasche nicht mehr da ist. In der Tasche befindet sich nebst Schreibzeug, Müsliriegel, Kaugummi, Akkus, Klebeband, Reparaturkitt,… auch das geliehene Funkgerät. Ich bin mir recht sicher, dass die Tasche in dem Tohuwabohu weggerutscht ist. Ich habe plötzlich verdammt schlechte Laune. Wie soll ich nur in diesem grossen Indien das Funkgerät wiederfinden? Ich halte das für aussichtslos.

Die Leute im Bus merken, dass mit mir etwas nicht stimmt. Sie fragen, und ich erkläre die Situation. Alle wollen helfen! Eine Frau weiss den Namen des Jungen, der ausgestiegen ist, ein anderer weiss, wo er wohnt. Ich erhalte einen Zettel, auf dem alles wichtige notiert ist. Wir steigen beim nächsten Stop aus. Einer der Fahrgäste verhandelt mit dem Taxifahrer. Wir fahren mit dem Taxi zurück. Es ist viel weiter, als ich dachte. In Sidhibari angekommen, versuche ich mein Glück bei den Ladenbesitzern in der Nähe der Bushaltestelle und frage nach der Tasche. Fehlanzeige. Unterdessen sind der Fahrer und sein Freund nicht untätig. Nach zehn Minuten winken sie uns, wir sollen einsteigen. Über eine Seitenstrasse, gelangen wir zu einem Haus mit Garten. Da steht schon ein grösseres Empfangskomitee bereit. Die halbe Familie erwartet unsere Ankunft. Der Junge, der in Sidhibari aus dem Bus gestiegen ist, ist auch da. Er heisst Ashish. Er holt die Stofftasche! Ich bin platt. Er erzählt, dass er sie zu hause in seinem Sack gefunden hat. Seitdem hat er versucht, mir eine Nachricht zu hinterlassen. Wir werden zum Tschai eingeladen und erfahren, dass morgen eine Hochzeit in diesem Haus stattfinden wird. Dann verabschieden wir uns. Der Rest der Rückreise verläuft ohne grössere Komplikationen.

***
Heute sieht es ein wenig besser aus als gestern. Um halb elf sehen wir bereits Gleitschirme am Start, die allerdings die Höhe nicht halten können. Bevor sie landen, fahren Lou, ich und sechs indische Piloten nach oben. Um halb eins starte ich. Die Basis ist nicht sehr hoch, die Thermik mässig und vom schwachen Westwind zerrissen. Ich fliege ein wenig kreuz und quer und lande nach knapp zwei Stunden am Lieblingslandeplatz. Sian und Andy sind dabei, einen Windsack in der Baumspitze zu befestigen und einen Zielpunkt mit farbigem Sand zu markieren. Sehr hübsch!

P.S.: Unter leicht mysteriösen Umständen ist es mir gestern gelungen, meine Reiseschecks einzutauschen. Ich finde morgens vor dem Frühstück in McLeod Ganj ein offenes Büro der Western Union Bank. Der Herr dort ist bereit, mir gegen die Schecks Rupien und Dollar zu geben. Ich zeichne die Schecks, er öffnet seine Brieftasche und ich erhalte die gewünschten Rupien. Ein Quittung verwehrt er mir mit der Erklärung, dass vor zehn Uhr die Drucker nicht funktionierten. Und die Dollars? Tja, er habe keine da, aber er werde es organisieren. In etwa drei Stunden könne ich wieder kommen. Wir einigen uns auf eine Stunde. Ich bin gar nicht glücklich darüber, dass ich die gezeichneten Schecks bei ihm lassen muss. Als ich nach dem Frühstück wieder hingehe, ist das Geld noch nicht da, aber es sei auf dem Weg. Ich gedulde mich ein wenig, und tatsächlich kann ich binnen einer Stunde gegen eine Kommission von hundert Rupien die Dollarnoten in Empfang nehmen.

Indienreise, Gilles Monnier écrit

21.10.03 10:33, Billing

21.10.03 10:33, Billing

21.10.03 11:14 , Nicolas

21.10.03 11:14 , Nicolas

21.10.03 12:40, N 32:07.266 E 76:57.245, 4439 m, zweite Querung, Blick nach SO

21.10.03 12:40, N 32:07.266 E 76:57.245, 4439 m, zweite Querung, Blick nach SO

Bonjour à tous. Je me présente, Gilles Monnier de Lausanne, au bord du lac Léman. Et au pied des Alpes.

Mais l’attrait de l’Inde et les dimentions de l’Himalaya ont changé ma vie depuis unes douzaine d’années. La region de Bir est définitivement une des meilleures de la region des contreforts Himalayens. Et en premier lieu pour une raison toute simple, la merveilleuse route qui nous mème au sommet tous les matins. La volonté et le désir de relier la Kangra vallée et la Kullu vallée m’habite depuis de nombreuses années. Je dirais mème plus depuis que Andy. Bruce et Debu l’ont fait il y à un an et demi au printemps. Que faut-il pour faire un vol engagé dans l’himalaya?

Dabord, il faut y être, puis il faut vraiment en avoir envie, et finalement je crois sincèrement que d’être un peu fou peut aider. Une fois que tous ces éléments sont réunis, il suffit de respirer calmement par le nez et de crocher quelques thermiques. Un premier jusque à la crète et au premier plafond de 3500 m, puis traversée de la rivière Uhl et racrochage facile sur des faces sud, Boum jusqu’à 4100. Là je suis une crète qui ne donne pas du tout envie de top lander sur 1 km en montant tout du long. Plafoud à 4500 m pour traverser la Barot et remontée sur le fond de la vallée de Log. A ce niveau, le paysage devient lunaire, comme au Ladak, et le sentiment de responsabilité sur son futur total. Intense, total, pour quelques kilomètres, voler sans faute car la faute n’est plus admise. Puis la grosse bascule après un dernier thermique qui me secoue jusqu’à 4650 m, direction Bara Gra, un vieux fort sur une crète à 3200 m. Là rien que des turbulances pour m’enbèter, je dégage sans refaire de gain. La crète suivante, pas le choix, il faut crocher du thermique couché par un vent d’ouest, lutte, gain jusqu’à 3800 m puis top landing. Et je me rends compte que la brise hurle à 40 km/h. Après une pause épicée et essouflée, renvol et traversée de la Kullu. La suite je ne la détaille pas mais sachez qu’elle à aider à évacuer une demi-tonne de frustration sur mes antécédants.de marche et vol passés. Attérissage à Solang Nala, r.a.s.

Un mythe est tombé, pas grave, nous avons tout l’Himalaya pour en créer d’autes. Surtout n’oubliez pas!! Jai Bollé Ram.

Indienreise, Dharamsala

Startplatz Billing mit Cirren

Startplatz Billing mit Cirren

Modell der Himalayaberge?

Modell der Himalayaberge?

Bach bei Bir

Bach bei Bir

Heute wieder ein Tag mit Cirren. Die Inder setzen einen kürzeren Task als gestern. Ausserdem am Startplatz: Der Strassenbautrupp beim Aufstellen von Parkverbotsschildern, einige Hirten, die Leute vom neuen Imbisszelt, und ein Fernsehteam aus Delhi. – Ich nehme mir vor, nach Dharamsala zu fliegen. Ich brauche US-Dollar, und Reiseschecks kann ich in Bir nicht einlösen. Morgen ist nicht nur Samstag, sondern auch noch ein Festtag, Diwali, und wer weiss, ob die Banken dann geöffnet sind.

Eric will mit mir nach Dharamsala fliegen. Wir starten spät, um viertel vor eins. Die Basis ist tief, wir kommen nur langsam voran. Ich wähle die innere Linie an den Hängen und fliege so weit oben, wie es die Wolken zulassen. Trotzdem fliege ich tief… Philippe schliesst auf, und verabschiedet sich bald darauf zum Rückflug. Einige Kilometer vor Dharamsala wird es recht mühsam, der Himmel ist nun vollständig bedeckt, es gibt kaum noch Thermik, dafür leichten Gegenwind.

Eric verliert die Geduld beim Höhe machen, und fliegt 100 m tiefer und fünf Minuten früher weiter als ich. Es wird sein Endanflug. Wir vereinbaren das Cricket Stadion in Dharamsala als Treffpunkt, bevor wir den Funkkontakt verlieren. Der Flug wird immer interessanter, komme ich doch jetzt an Stellen, die ich noch nicht gesehen habe. An manchen Hängen fliege ich mit Hangaufwind geradeaus kurz unter der Basis. Die meisten Rippen fliege ich von unten nah am Gelände auf der Leeseite an. Das funktioniert gut. Bis ich beim letzten Hügel vor McLeod Ganj entdecke, dass der Hang von Kabeln verunziert wird. Ich muss aus dem Einschnitt flüchten. An einer kleinen Siedlung mache ich das letzte Mal 200 m Höhe und fliege dann das Cricket Feld an. Inmitten der Landschaft der einzige riesengrosse, grüne Kreis. Höhe abbauen brauche ich nicht mehr, ich lande sanft auf einem Sportrasen, der gerade bewässert wird.

Das Stadion liegt weit ausserhalb, Banken gibt es hier keine. Eineinhalb Stunden nach der Landung taucht Eric mit einem Taxi auf. In Dharamsala ist rush hour, die Banken sind jedoch geschlossen und werden auch morgen nicht öffnen. Eventuell ist die Privatbank in McLeod morgen offen…

***

P.S.: Morgen schreibt Gilles über seinen Manali-Flug en francais. Dazu mehr Bilder vom 21.10.2003.

Indienreise, Another lazy day in paradise

Parva und Eric im Landeanflug

Parva und Eric im Landeanflug

Gerard einen Meter über dem Boden

Gerard einen Meter über dem Boden

Gianpiero und Antoine am Toplandeplatz

Gianpiero und Antoine am Toplandeplatz

Flugwetter, wer hätte das gedacht! Die acht indischen Piloten setzen übungshalber einen Task nach Palampur und zurück an Billing vorbei nach Jodingar Nagar. Die Basis ist heute nicht so hoch. Wir fliegen nach Nordwesten, Richtung Dharamsala. Drei Kreten weiter kommt Philippe auf die Idee, eine idealgelegene Wiese zur Toplandung zu nutzen. Ein gutes Dutzend Piloten folgt ihm in der nächsten Stunde nach, und es herrscht auf einmal reges Treiben an einem Ort, an dem sonst nur Hirten zu finden sind.
Ich esse meine Wegzehrung, Fladenbrot mit Kartoffelfüllung, und mache mich auf den Heimweg. Über dem Startplatz spiele ich noch ein wenig am Gelände und versuche Photos von toplandenden Schirmen zu machen. Dann fliege ich ins Flache, denn ich habe mir vorgenommen, mein Lieblingsreisfeld – siehe 10.10., unteres Bild – heute wieder zur vergleichbaren Zeit aus einer vergleichbaren Perspektive zu fotografieren. Die Landschaft hat sich seit meiner Ankunft sehr verändert, statt sattem Grün herrscht jetzt erdiges Braun vor.

Am Landeplatz fange ich noch ein paar mehr oder weniger gelungene Endanflüge ein, ehe ich mich trolle. – Abends hilft mir Gilles mit der französischen Version des Manali-Fluges. Das Internet Cafe ist heute geschlossen, weil die Kommunikationsverbindungen seit vier Uhr nachmittags nicht mehr funktionieren. Als ich heim komme, entdecke ich eine Ameisenstrasse, die von den Resten des Fladenbrots quer über den Tisch, an der Wand entlang ins Badezimmer führt. Der für mich sichtbare Teil endet im Gulli des Waschbeckens. Um Mitternacht versuche ich mich an einem digitalen Filmchen über die Ameisenstrasse.

Indienreise, Westwind und Fotos vom Manaliflug

7 km südlich von Manali ist das Kullu-Tal bereits gut zu sehen

7 km südlich von Manali ist das Kullu-Tal bereits gut zu sehen

 Garküche an der Strasse auf dem Rückweg von Manali


Garküche an der Strasse auf dem Rückweg von Manali

Kullu-Tal, Blick talauswärts

Kullu-Tal, Blick talauswärts

Um kurz vor acht wache ich auf. Ich fühle mich fit. Fliegen? Fliegen! Am Startplatz eine Überraschung: die Fassaden von Teehaus samt Scheune sind unter strahlend gelben Transparenten verschwunden. Die Plakate werben für den Paragliding Pre World Cup. – Die Atmosphäre ist immer noch sehr klar, aber der Westwind ist bereits auf Startplatzhöhe spürbar. Eric, Gerard und ich nehmen uns trotzdem vor, eine möglichst hohe Linie nach Dharamsala zu fliegen und dann dort zu landen.

Start um zwölf. Die Thermik ist zerrissen. Einzelne Blasen schiessen heftig aus dem Thermikkessel, doch es reicht gerade, um die Höhe zu halten. Eric fliegt als erster Richtung Landeplatz. Ich muss meinen Schirm dauernd festhalten. Das macht nicht so viel Spass, also schliesse ich mich ihm an. Ich fliege noch zum Kloster im Wald, um ein paar Photos zu machen, als ich auf dem Rückweg 200 m über dem Landeplatz in steigende Luft fliege. Mit Geduld bin ich zehn Minuten später 500 m höher. Der Wind hat mich stark zurückversetzt. Ich versuche, wieder am Berg anzuhängen, aber das gelingt dann doch nicht. Nach einer guten Stunde lande ich. So kann ich mich noch von Didi verabschieden, der sich am Nachmittag auf die Heimreise begibt.

Ich freue mich über den frühen „Feierabend“ und die Dusche, die gestern nacht und heute morgen mangels Wasser ausfallen musste.

***
P.S.: Tsering Gyaltsen vom Emaho-Cafe hat mir heute morgen zum Manali-Flug gratuliert. Er sagt, ich sei die erste Frau, die von Bir nach Manali geflogen sei.

P.P.S.: Tsering Dolker, meine liebenswerte Zimmerwirtin, hat sich Sorgen gemacht, als ich gestern abend nicht heimkam. Ich notiere ihre Telefonnummer und verspreche, sie anzurufen, falls ich wieder einmal eine Aussenlandung mache.

Indienreise, Sieben erobern Manali

Der Gipfel im Wolkenschatten ist etwa 4500 m hoch

Der Gipfel im Wolkenschatten ist etwa 4500 m hoch

Vor dem Start: Nityanando, Philippe, Gilles

Vor dem Start: Nityanando, Philippe, Gilles

Mondlandschaft auf der 46 km Strecke von Billing nach Manali

Mondlandschaft auf der 46 km Strecke von Billing nach Manali

Die Basis ist heute hoch, in den wenigen Wölkchen über den hohen Gipfeln ist eine Westwindtendenz erkennbar. Die Ablösungen kommen stetig und oft, noch ist kein Thermikdummy in der Luft. Ich mag nicht länger warten, und gehe als erste raus. Mit Leichtigkeit kann ich schon am Startplatz gute Höhe machen. Für heute habe ich mir vorgenommen, einen Weg in die höheren Berge zu finden. Von Andy habe ich mir vor ein paar Tagen erklären lassen, wie man das am besten anstellt.
Ich überlege gerade, ob ich das erste Tal hinter unserem Startplatz queren soll – es ist wirklich eine Überlegung wert, denn hier gibt es kaum noch Landemöglichkeiten, und die Windsysteme sind mir nicht vertraut – als ich sehe, wie Philippe und Nicolas aus Verbier das Tal bereits an einer weniger hohen und breiteren Stelle überwinden. Es sieht ganz so aus, als ob sie nach Manali fliegen wollten. – Wenige Sekunden später habe ich ein neues Tagesziel: Manali!

Die Landschaft unter mir ist unwirtlich. Erstmals fliege ich oberhalb der Baumgrenze. Ich kann gut verfolgen, wie die beiden vor mir an den erwarteten Stellen Thermik finden und die Verluste aus den Querungen wieder wett machen. Die Thermik ist stark und gut zu fliegen. Das mulmige Gefühl im Bauch verschwindet. Mein Vario zeigt bereits 4500 m an. So hoch bin ich mit dem Gleitschirm noch nie geflogen. Etwa auf halber Strecke liegt der höchste Gipfel dieser Route. Ich überhöhe ihn, und als ich kurz unterhalb der Basis weiterfliege, zeigt das Vario den Spitzenwert des Tages: 4820 m. Der Blick öffnet sich auf die schneebedeckten Kuppen im Nordosten.

Nach zwei Stunden kann ich abschätzen, dass ich das Kullu-Tal, in dem Manali liegt, erreichen werde, denn vor mir gibt keine grösseren Berge mehr. Ich geniesse jede Sekunde dieses aussergewöhnlichen Fluges. Die Landschaft, die sich vor mir öffnet, ist von atemberaubender Schönheit. Einmal mehr realisiere ich, wie sehr ich die fraktale Geometrie dieser Berge hier lieben gelernt habe. Fast jeder Gipfel geht zum Tal hin in mehrere Rücken über, die sich wie ein Flussdelta ihrerseits weiterverzweigen. Je tiefer man fliegt, desto mehr Rücken sind zu überqueren. An den Verzweigungen findet man mit schöner Regelmässigkeit Kessel, aus denen die warme Luft des Flachlandes aufsteigt.

Als ich die letzte Talquerung hinter mir habe, sehe ich, dass Philippe topgelandet ist. Dazu habe ich heute nicht den Mut. Aus Spass an der Freude soare ich einen Hang hoch – von 3000 m auf 3700 m – und suche mir dann ein schönes Plätzchen zum Landen aus. Kaum habe ich mich entschieden, saust ein roter Schirm mit angelegten Ohren an mir vorbei. Der Pilot – es ist Chicco, wie ich nach der Landung feststelle – scheint recht genau zu wissen, wohin er will, und so schliesse ich mich ihm an und folge ihm zu einem anderen Landeort.

Nach mir landet noch Olivier am selben Ort. Wir beglückwünschen uns zu unseren Flügen. Olivier erzählt, dass ein junger (und anscheinend unerfahrener) Adler im Spiel mit seinem Schirm frontal in dessen Leinen geflogen ist. Ein grosser Klapper ist die Folge. Der Vogel kann sich über die D-Ebene wieder aus den Leinen befreien und hält nun mehr Abstand. – Philippe und Nicolas haben wir aus den Augen verloren. Als wir zusammenpacken, queren über uns Andy und Gilles das Kullu-Tal und lassen sich mit dem Wind talaufwärts schieben.

Wir fahren mit einer motorisierten, dreirädrigen Taxirikscha ins Zentrum von Manali. Nach einem feinen Essen verabschiedet sich Chicco, er will einige Tage in Manali bleiben. Olivier und ich bummeln bis zur Abfahrt des Buses nach Dharamsala durch die Stadt und treffen Zavo, der vor zwei Tagen mit dem Bus nach Manali gefahren ist. Um sechs Uhr am Abend fährt der Bus ab. Um halb eins steigen wir an der Kreuzung nach Bir aus dem Bus. Der Taxifahrer, den wir aus dem Schlaf reissen, will 60 Rupies für die Fahrt. Nicht viel Geld, aber ein viel zu hoher Preis. Wir gehen die letzten drei Kilometer in der Nacht unter sternenklarem Himmel – der Orion strahlt besondert schön – nach hause.

***
Einen ganz lieben Gruss an Rico und Räto! Ihr habt wirklich was verpasst. Fliegen im, nicht nur am Himalaya. Doch die anwesenden Romands haben der Gleitschirmnation Schweiz alle Ehre eingelegt: von den sieben Manali-Piloten sind immerhin vier „echte“ Schweizer, und ich bin eine „unechte“.